Oberhavel – Terra preta aus dem Labor – das soll in Oberhavel keine Vision sein. Ein Firmen-Netzwerk ist dabei, auf künstlichem Weg diese „schwarze Erde“ aus Amazonien zu kopieren. Von Stefan Zwahr
Ziel ist es, mit der fruchtbaren Erde die Bodenqualität in der Region zu verbessern.
„Wir sind in der Entwicklungsphase“, berichtete Professor Dr. Lothar Ebner am Donnerstag im Gespräch mit der Parlamentarischen Staatssekretärin des Bundesumweltministeriums Katherina Reiche (CDU). Der Geschäftsführer des Oranienburger Umweltinstituts „Protekum“ ist optimistisch, dass bald mit Pilotfragen begonnen werden könne. Ziel sei es, bis zu 30000 Tonnen jährlich herzustellen.
Hintergrund ist die niedrige Bodenwertzahl in der Region. „Dieser Vergleichswert zur Bodenbewertung ist mit der guten Qualität in der Magdebürger Börde nicht zu vergleichen“, bedauert Ebner – und blickt nach Südamerika. Die dortige normale, weit verbreitete Erde des Regenwalds ist in der Regel auch wenig nährstoffreich. Dem stehen die Eigenschaften der Terra Preta entgegen. Dieser Boden ist sehr fruchtbar und einem guten europäischen Ackerboden ebenbürtig. Problem: „Brasilien darf die Terra preta nicht exportieren.“
Daher sieht Ebner die Notwendigkeit, vergleichbare regionale Rohstoffe einzusetzen. Unter dem Namen „Terra Brennabor“ (Erde Brandenburgs) soll ein Humussubstrat entwickelt werden. Made in Oberhavel. Protekum stellt die Kapazitäten für Forschung und Analytik, mit dabei sind auch die ERV Velten GmbH, URD GmbH Grüneberg, KFL GmbH aus Löwenberg und die Agrarfakultät der Humboldt-Universität.
„Die Forschung ist abgeschlossen“, betont Ebner. Für September ist der Beginn der Entwicklungsphase geplant. Im Frühjahr 2011 wollen die Beteiligten die erste Erde durch die Hände rieseln lassen. Diese wird sich am Original orientieren, das aus einer Mischung von Holzkohle, Dung und Kompost besteht und mit Tonscherben und gelegentlich auch Muschelschalen durchsetzt ist. In 18 Monaten soll die Versuchsphase abgeschlossen sein.