GEWÄSSER: Notfalls den See selbst kaufen
Am Mellensee unterliegt vor Gericht im Kampf um den Krummen See
SPERENBERG - „Der Richter ist mit einer vorgefassten Meinung rangegangen, aber wir geben nicht auf“, sagte Bürgermeister Frank Broshog (parteilos) in der jüngsten Gemeindevertretersitzung.
Am 23. Oktober hat das Verwaltungsgericht Potsdam eine Klage der Gemeinde abgewiesen. Die Kommune hatte im Jahre 2005 die Zuordnung des Krummen Sees beantragt. Der Antrag war abgelehnt worden mit der Begründung, die Kommune sei nicht antragsberechtigt. Dagegen klagte Am Mellensee und unterlag jetzt.
Damit droht dem Krummen See – ebenso wie anderen Seen in der Gemeinde – die Privatisierung. Die Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG) vermarktet im Auftrage des Bundes ehemals volkseigene land- und forstwirtschaftliche Flächen. Man beruft sich auf eine Stichtagsregelung. Flächen, die am 3. Oktober 1989 landwirtschaftlich oder fischereilich genutzt wurden, sind demnach der BVVG zuzuordnen.
Inzwischen haben Mitglieder des Vereins Pro Mellensee Dokumente des früheren Bezirkes Potsdam und des Kreises Zossen „ausgegraben“, in denen als vorrangige Nutzungsart des Krummen Sees die Naherholung genannt wird – nicht die Fischerei.
„Das gibt uns die Hoffnung, dass wir vielleicht doch noch etwas bewegen können. Das kann aber nur gehen, wenn uns die Landes- und Bundespolitiker unterstützen“, so Bürgermeister Broshog.
Gemeinde und Verein Pro Mellensee hatten in den vergangenen Tagen zu diesem Thema Gespräche mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Peter Danckert und der CDU-Bundestagsabgeordneten Katherina Reiche.
Frank Broshog: „Unser Ziel ist es, die Rechtslage zu ändern. Seen in Brandenburg sind unser Naturerbe und müssen kostenlos an die Kommunen übertragen werden.“ Er weiß die Bürger hinter sich. Eine entsprechende Unterschriftensammlung des Vereins Pro Mellensee hat laut Jochen Gebauer vom Vereinsvorstand bis jetzt 4200 Unterschriften erbracht.
Parallel zu diesen Bemühungen auf politischem Gebiet hat die Gemeinde Am Mellensee jetzt einen Antrag zum Kauf des Krummen Sees an die BVVG gestellt. Vor einigen Jahren war er schon einmal für 17 000 Euro angeboten worden. Ob dieser Preis noch aktuell ist, weiß die Gemeinde nicht. (Von Gudrun Schneck)