LEBENSMITTEL: Seehofer warnt vor Abhängigkeit vom Ausland
BEELITZ - Horst Seehofer fackelte nicht lange: „Was würden Sie tun, wenn Sie morgen Bundeskanzlerin wären?“, fragte der CSU-Landwirtschaftsminister gestern Nachmittag Christine Berger, die Besitzerin des auf Sanddorn-Anbau spezialisierten Frucht- und Erlebnishofes in Petzow (Potsdam-Mittelmark). Ein zufriedenes Lächeln huschte über sein Gesicht, als Berger davon sprach, ihre Angestellten klagten darüber, dass sie immer weniger Geld im Portemonnaie hätten.
„Haben Sie gehört, Frau Reiche, Frau Berger ist auch für Steuersenkungen“ wandte sich der CSU-Mann an die Potsdamer CDU-Bundestagsabgeordnete Katherina Reiche, auf deren Einladung er den gestrigen Nachmittag in Brandenburg verbrachte. Schließlich hat Seehofers Partei erst vor kurzem ein ehrgeiziges Steuersenkungsprogramm beschlossen, das von der CDU – noch – abgelehnt wird. „Ich weiß, wohin ich das zu melden habe“, antwortete Fraktionsvize Reiche dem CSU-Minister.
In Petzow und anschließend auf dem Jakobshof in Beelitz diskutierte Seehofer mit Landwirten und anderen Bürgern aus der Region. Bettina Lindicke, Besitzerin des Obsthofes Lindicke in Plötzin, beklagte sich darüber, dass in Deutschland sehr viel strengere Regelungen für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gälten als in anderen EU-Ländern, was insbesondere die Obstbauern benachteilige. Seehofer sagte zu, sich weiter für eine Harmonisierung auf EU-Ebene einzusetzen, was aber schwierig sei.
Auch werde er dafür kämpfen, die von der EU-Kommission angekündigten Subventionskürzungen vor allem für die ostdeutschen Landwirte so weit wie möglich rückgängig zu machen.
Sympathie zeigte Seehofer auch für den Vorschlag eines märkischen Landwirts, so wie in Frankreich auch in Deutschland zu erlauben, dass Traktoren mit steuerfreiem Dieselöl betankt werden dürfen. Allerdings werde diese Forderung wohl am Widerstand des Bundesfinanzministers scheitern.
Engagiert warb Seehofer in Petzow und Beelitz für eine leistungsfähige Landwirtschaft in Deutschland und warnte vor einer Abhängigkeit von Lebensmittelimporten. Auf dem Energiemarkt könne man sehen, wohin das führe. „Angesichts einer ständig steigenden Weltbevölkerung wird es um Lebensmittel bald einen ähnlichen Konkurrenzkampf geben wie um Energie“, sagte Seehofer. (Von Joachim Riecker, Märkische Allgemeine Zeitung)

v.l.n.r.: Kirschkönigin Kerstin Meller, Saskia Funck MdL, Bundesminister Hrst Seehofer MdB, Christine Berger, Katherina Reiche MdB, Baumblütenkönigin Astrid Milde

v.l.n.r.: Saskia Funck MdL, Bundesminister Horst Seehofer MdB, Baumblütenkönigin Astrid Milde und Katherina Reiche MdB

Podiumsdiskussion: Saskia Funck MdL, Horst Seehofer MdB, Katherina Reiche MdB