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Altbewerber haben geringere Chancen
Die Welt vom 11.07.2007
Altbewerber haben geringere Chancen
Der Aufschwung ist da, die Zahl der Lehrstellen steigt. Doch Altbewerber haben immer noch geringe Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Eine neue Studie belegt: Jugendliche aus früheren Abiturjahrgängen profitieren nicht vom Aufschwung.
Der Aufschwung ist da, die Zahl der Lehrstellen steigt – doch Altbewerber haben es noch immer auf dem Arbeitsmarkt sehr schwer. Laut einer WELT ONLINE vorliegenden Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) ist die Zahl der Bewerber aus früheren Schulentlassjahren zwischen 1999 und 2006 von rund 317.000 auf rund 385.000 gestiegen. Gemessen an der Gesamtzahl der Bewerber erhöhte sich die Altbewerberquote in diesem Zeitraum von 39,5 Prozent auf 50,5 Prozent.
Als Altbewerber bezeichnet die Bundesagentur für Arbeit (BA) diejenigen Lehrstellen-Suchenden, die aus früheren Schulabsolventen-Jahrgängen stammen und zwar unabhängig davon, ob sie sich früher schon einmal beworben haben oder nicht.
Insgesamt ist die Zahl der Altbewerber in Westdeutschland (rund 275.000) höher als in den neuen Ländern (rund 110.000). Mit Blick auf die Gesamtzahl der Jugendlichen, die eine Lehrstelle suchen, verzeichnet der Westen (49,2 Prozent) allerdings einen niedrigeren Anteil an Altbewerbern als der Osten (49,2 Prozent). Festzustellen lässt sich überdies ein Nord-Süd-Gefälle: Besonders gravierend ist die Situation in den Stadtstaaten Hamburg, Bremen und Berlin. Dort reichen die Quoten an die 70 Prozent heran.
Niedriges Bildungsniveau
Der Studie zufolge haben viele Altbewerber ein niedriges Bildungsniveau: Im vergangenen Jahr betrug der Anteil der Hauptschüler 40,2 Prozent; 8,5 Prozent hatten gar keinen Abschluss. Mehr als die Hälfte der Bewerber aus früheren Schulentlass-Jahrgängen verfügte über einen mittleren Bildungsabschluss, wobei der Anteil der Jugendlichen mit Abitur zwischen 1999 und 2006 von 17,2 Prozent auf 12,7 Prozent zurückgegangen ist. Im selben Zeitraum blieb die Quote der Schüler mit Mittlere Reife indes konstant (37,8 Prozent). Das Fazit der Experten: Je niedriger der Schulabschluss, desto höher die Chance zu den Altbewerbern zu zählen.
Schlagworte
Ausbildungsplatz Jugendliche Arbeitsmarkt Job-Starter Bildungsniveau
Angesichts der schwierigen Lage für Jugendliche mit niedrigem Bildungsniveau spricht sich Unionsfraktionsvize Katherina Reiche (CDU) für eine grundlegende Reform der dualen Ausbildung aus. Reiche zufolge stehen von insgesamt 340 Ausbildungsberufen nur etwa 20 Prozent für Hauptschüler offen. „Der Anteil muss ausgeweitet werden, sonst haben es Hauptschüler auf dem Lehrstellenmarkt weiter schwer“, sagte die Bildungspolitikerin WELT ONLINE. Außerdem schlug sie die Einführung von zertifizierten Ausbildungsbausteinen vor, um benachteiligten Jugendliche den Einstieg in eine Lehrstelle zu erleichtern. Eine allgemeine Senkung des Ausbildungsniveaus, wie sie von den Gewerkschaften gefordert wird, lehnte Reiche ab.
Die Bundesregierung stockte inzwischen das Programm „Job-Starter“ um 25 Millionen Euro auf 125 Millionen auf, um die Lage auf dem Lehrstellenmarkt zu entspannen. Außerdem fördert sie 22.000 Lehrstellen mit dem Bund-Länder-Ausbildungsprogramm-Ost. Nach Einschätzung von Reiche gibt es in Deutschland noch immer zu viele Unternehmen, die keine Ausbildungsplätze anbieten. „Gerade bei deutsch-türkischen Unternehmen sehe ich noch ein beträchtliches Lehrstellen-Reservoir“, sagte Reiche.