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Bildung & Forschung 

- Presseberichte: Bildung & Forschung -

Hauptschulen stärken

Interview der Rheinischen Post mit Katherina Reiche, 06.11.2006

Interview mit Katherina Reiche
CDU-Bildungsexpertin: "Hautptschulen stärken"
 
Die Jugendarbeitslosigkeit ist zurückgegangen. Kann man damit in punkto Ausbildungsmarkt schon zufrieden sein?

Reiche: Jede Situation, die zu einer Entspannung führt, ist gut. Je mehr Jugendliche in Ausbildungsplätze vermittelt werden, desto besser. Wir haben zwei gegensätzliche Trends. Zum einen wurden 14000 Ausbildungsverträge mehr als im vergangenen Jahr abgeschlossen. Auf der anderen Seite gibt es immer noch einen hohen Anteil an nicht-vermittelten Jugendlichen. Das liegt auch daran, dass die Zahl der Schulabbrecher nach wie vor erschreckend hoch ist.
 
Etwa zehn Prozent pro Jahrgang. Sind diese Jugendlichen verloren?
 
Reiche: Nein, wir müssen sie vielmehr gewinnen. Wir müssen uns um jeden Einzelnen bemühen. Die Hauptschulen müssen gestärkt werden. Jugendliche, die mehr Fähigkeiten fürs Praktische als fürs Theoretische haben, müssen zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden. Die Hauptschulen müssen sich als berufsvorbereitende Schulen profilieren können und zum Beispiel auf Kooperation mit Unternehmen setzen und damit den Jugendlichen den Weg ins Berufsleben erleichtern. Immer mehr Unternehmen verlangen das Abitur als Voraussetzung für einen Ausbildungsplatz.
 
Ist das gerecht und gerechtfertigt?

 Reiche: Wenn die Hauptschulen nicht mehr in der Lage sind, ihre Schülerinnen und Schüler zu einem erfolgreichen Schulabschluss zu führen, kann man den Unternehmern keinen Vorwurf machen, wenn sie auf besser qualifizierte Jugendliche zurückgreifen. Deshalb muss es das Ziel sein, die Hauptschulen zu stärken. Es bedarf des dringenden Engagements der Länder für ihre Hauptschulen.
 
Drohen uns französische Verhältnisse, inklusive Jugendkrawallen?

Reiche: Nein. Der Lenkungsausschuss des Nationalen Paktes für Ausbildung, in dem alle an der beruflichen Bildung Beteiligten zusammenarbeiten, hat eine positive Zwischenbilanz gezogen. Mit dem Bund-Länder-Sonderprogramm für die neuen Länder und dem Programm Jobstarter geht es darum, noch mehr Unternehmen, insbesondere ausländische Firmen, für die Ausbildung zu gewinnen. Ich setze darauf, dass die Ausbildungsoffensive auch zum Erfolg führt.
 
Was ist denn das Hauptproblem auf dem Ausbildungsmarkt? Mangelnder Wille und Können der Unternehmen oder mangelnde Qualifizierung der Jugendlichen?
 
Reiche: Unternehmen bilden dann aus, wenn es ihre wirtschaftliche Perspektive erlaubt. Sie bilden auch aus, um wettbewerbsfähig zu sein und um für qualifizierten Nachwuchs in ihren Unternehmen zu sorgen. Die Lage der Wirtschaft in Deutschland verbessert sich spürbar. Gerade deshalb wurden 14000 zusätzliche Ausbildungsverträge abgeschlossen. Gerade das Handwerk bildet meist über Bedarf aus. Stärkere Erwartungen richten sich an die großen Unternehmen und die Unternehmen aus dem Ausland. Diese müssen größere Anstrengungen für mehr Ausbildungsplätze unternehmen.
 
Sie sind selbst Mutter dreier Kinder. Was ist die Grundlage für einen gelungenen Bildungsweg?
 
Reiche: Die entscheidende Rolle spielt das Elternhaus. Wo Elternhäuser jedoch versagen, muss der Staat eingreifen. Kindergärten müssen zu Vorschulen weiterentwickelt werden, um Startchancen für jedes Kind von Anfang an zu verbessern. Das ist Chancengleichheit. Versäumnisse am Anfang sind während des späteren Bildungsweges nur schwer aufzuholen.
 
Wie klappt es eigentlich bei Ihnen mit der Vereinbarkeit von Familie und Politik?

Reiche: Gut. Auch, weil ich eine Familie habe, auf die ich mich verlassen kann. Mir geht es so wie jeder Frau, die versucht, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren. Wir haben in den neuen Ländern ausreichende Kinderbetreuungsplätze für die Kinder bis zehn Jahren. Allerdings müssen wir noch an der Qualität und Vielfalt arbeiten.