www.cdu.de
Bildung & Forschung 

- Presseberichte: Bildung & Forschung -

Uli Hoeneß lehrt Begeisterung

Donaukurier vom 12.02.2009

Ingolstadt (DK) "Sachen Machen" heißt die Initiative des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI), um mehr Nachwuchs für technische Berufe zu gewinnen. Gestern fand bei Audi das dritte Jahrestreffen statt. Dabei unterhielt sich eine Prominentenrunde über Möglichkeiten, wie man die Jugend am besten begeistert.


Eine Weile näherten sich die Aktivisten dem Thema "Begeisterung" allenfalls mit moderater Euphorie. In den Reden dominierte zuerst Motivationsrhetorik rund um bewährte Wendungen wie "Die Krise als Herausforderung. Herausforderungen als Chance" und ähnliche Standards. Aber dann kam Uli Hoeneß, und man kann sagen: Er tat der Begegnung gut.
Die prominent besetzte Runde erörterte gerade im Kinosaal des Audi-Forums die Frage: Warum erhält das Ingenieurwesen in den Medien nur so wenig Aufmerksamkeit? Benötigt die Branche mehr Stars? Bei diesen Stichwörtern ging der Manager des FC Bayern sofort in die Offensive: Nichts sei verzichtbarer als alles in der Art von "Deutschland sucht den Superstar", denn: "Das ist eine schwachsinnige Sendung!", schimpfte Hoeneß. Schlimmer noch: Sie sei in ihrem Schwachsinn "kaum zu toppen", weil sie "etwas vorgaukelt, was draußen gar nicht vorkommt". Elegant bekam er die Kurve ins Technische: "Ingenieure sind für mich viel eher Stars!" Weit mehr "als jemand, der unfallfrei ein Liedchen trällern kann". Großer Applaus.

Werner Widuckel, Audi-Personalvorstand, ließ sich gerne vom Temperament des Fußballmanagers (und nicht minder erfolgreichen Wurstfabrikanten) mitreißen und legte unverblümt dar, warum er nie Ingenieur werden wollte: "Weil in meiner Schulzeit in den naturwissenschaftlichen Fächern der Unterricht abschreckend war!" Widuckel berichtete von Physiklehrern, "die uns dauernd erzählt haben, wie blöd wir seien". Er selbst habe sich "nie für kognitiv unterentwickelt" gehalten und hatte keine Lust auf diese Leute. "Deshalb habe ich nicht Physik studiert."

Genau da müsse man ansetzen, betonte VDI-Präsident Bruno Braun. Sein Verband fordere schon lang, technische Fächer fest in allen Schulen zu etablieren. Bislang nur mit übersichtlichem Erfolg. "Das begrüßen immer alle, aber gemacht wird nichts!" Das zu ändern, sei ein zentrales Anliegen der VDI-Initiative "Sachen Machen."

Als er klein war, seien Ingenieure "noch etwas Besonderes gewesen", erinnerte sich Hoeneß. Er habe das so bei einem Cousin erlebt, der bei Siemens arbeitete. "Und später war der Beruf nichts Besonderes mehr. Das muss sich wieder ändern!"

Nur wie? Es gelte, die Vielfalt und die Perspektiven der Ingenieurberufe selbstbewusster darzustellen, da waren sich die Herren auf dem Podium einig – und mit ihnen die Dame: die CDU-Bundestagsabgeordnete und Chemikerin Katherina Reiche. Gerne griff sie das Stichwort der Moderatorin Corinna Wohlfeil auf: Frauen in angeblichen Männerberufen. "Frauen neigen stärker zu Selbstzweifeln", glaubt die Politikerin. "Männer haben da weniger Probleme, reinzuhauen, egal, ob’s passt oder nicht."

Frauen, die sich in Männerdomänen wagen, hätten immer noch mit Vorbehalten ihre Not, berichtete Widuckel. Bei dieser Frage kam er nicht umhin, den Frauenanteil in der Audi-Belegschaft zu erwähnen: zwölf Prozent. Immerhin: Andere Autobauer liegen drunter. "Damit sind wir in der Branche der Einäugige unter den Blinden."

Von Optimismus beseelt, trugen alle ihre Vorschläge für gelungene Nachwuchsarbeit in der Welt der Technik vor – denn immer noch sind 70 000 Ingenieursstellen unbesetzt. Es sei wichtig, "die Erfahrung der Älteren mit dem Enthusiasmus der Jugend zusammenzubringen", sagte der VDI-Chef. Hoeneß setzt darauf, von jungen Leuten "nur Dinge zu verlangen, die man auch von sich selber verlangt", und Weihbischof Heiner Koch schlug vor, "auf die Liebe Gottes zu hoffen".

zurück