Wolff lehnt "Elternführerschein" ab
obo. RHEINGAU-TAUNUS-KREIS. Die Erziehung der Kinder nicht in abgegrenzte Phasen wie Krippe, Kindergarten und Grundschule zu unterteilen, sondern zumindest die ersten zehn Lebensjahre als "kontinuierlichen Bildungsprozess" zu begreifen, dafür hat Kultusministerin Karin Wolff (CDU) auf dem ersten "Bildungs- und Erziehungskongress" der CDU Rheingau-Taunus geworben. Dazu hatte die CDU in den Freizeitpark Taunuswunderland bei Schlangenbad-Wambach geladen. Rund 300 Eltern und Kinder nahmen die Einladung zum Freizeitvergnügen in den Park an, etwa 30 fanden sich zur Diskussion mit Wolff und der stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Katherina Reiche, ein.
Wolff kündigte eine stärkere Flexibilisierung in den Schulen an, sowohl im Hinblick auf die bisherigen Stichtagsregelungen als auch im Hinblick auf den Schulbeginn insgesamt. Wolff warnte Eltern vor einem "erlahmenden Interesse" an Erziehung, wenn die Kinder erst in Betreuungseinrichtungen untergekommen sind. Bedeckt hielt sich Wolff im Hinblick auf die Kommunalisierung der Grundschulen. Sie räumte ein, dass das Beispiel Hallgarten, dessen Grundschule vom Rheingau-Taunus-Kreis in die Trägerschaft der Stadt Oestrich-Winkel übertragen wurde, in Hessen keine Schule gemacht habe.
Forderungen aus dem Kreis der Eltern nach einem "Erziehungs- oder Elternführerschein" wiesen Reiche und Wolff zurück. Reiche sagte, es gehe darum, die Erziehungskompetenz der Eltern zu stärken. Statt staatlicher Zwänge und einer Nachweispflicht müsse es mehr Angebote und Hilfen geben: "Kinder zu gebären ist etwas anderes als Auto zu fahren oder eine Bäckerei zu eröffnen." Moderator Klaus-Peter Willsch (CDU) sah sich bestätigt, dass Bildung derzeit ein "Megathema" in der politischen Diskussion sei. Er selbst sei dabei "ganz konservativ: ich halte es für das Beste, wenn in der frühen Erziehungsphase ein Elternteil zu Hause ist."