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Bio- & Gentechnologie 

- Presseberichte: Bio- & Gentechnologie -

Die Grüne Gentechnik ist eine Leittechnologie der nächsten Jahrzehnte

Gastbeitrag Rheinischer Merkur vom 12.10.2006

PRO / Soll die Grüne Gentechnik in Deutschland ausgeweitet werden?
Ja, sie ist eine Leittechnologie der nächsten Jahrzehnte

KATHERINA REICHE

Die Autorin ist stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und unter anderem zuständig für die Forschungspolitik und Umwelt sowie Naturschutz.
Foto: RM

Die Pflanzenbiotechnologie bietet die Chance zur Lösung zahlreicher globaler Probleme im Zusammenhang mit Gesundheit, Ernährung und Umwelt. Sie ist eine Leittechnologie der nächsten Jahrzehnte mit Anwendungsmöglichkeiten in Landwirtschaft und Umweltschutz und leistet einen wichtigen Beitrag zur Erneuerung der Wirtschaftsstruktur, zur Stärkung der Innovationskraft verschiedener Industriebranchen, zur Schaffung von hoch qualifizierten Arbeitsplätzen und zur Entstehung von Privateigentum bei Gründern.

Schlüsselfaktoren für die Entwicklung der Pflanzenbiotechnologie sind erstklassige Forschung, öffentliche Förderung, Vernetzung der Forschung, strenge Sicherheitsregeln, gesellschaftliche Akzeptanz durch Transparenz und Wahlfreiheit, Rechtssicherheit und Nachwuchsförderung. Innovative Anbaumethoden und Pflanzenschutzkonzepte auf Basis der Pflanzenbiotechnologie zeigen positive Umwelteffekte. Die globalen Reserven an Erdöl und anderen fossilen Rohstoffen für die Energieerzeugung und Industrieproduktion sind endlich. Auch deshalb wächst seit Jahren die Bedeutung nachwachsender pflanzlicher Rohstoffe. Hierzu zählen Pflanzen zur direkten Energieerzeugung wie auch solche, die als Ausgangsstoff für die Herstellung von Lacken, Klebe-, Dämm- oder Schmierstoffen dienen. Nachwachsende pflanzliche Rohstoffe sind „klimafreundlicher“ als fossile Energiequellen, ihre Rest- und Abfallstoffe sind vielfältig weiter verwert- und kompostierbar.

In den USA werden durch den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen jährlich rund 1,2 Milliarden Liter Treibstoff eingespart und die Bodenerosion auf den Feldern um rund eine Milliarde Tonnen Erde jährlich reduziert. Weltweit werden gentechnisch fortentwickelte Pflanzen inzwischen auf mehr als 90 Millionen Hektar angebaut, werden gentechnisch verbesserte Bakterien und Enzyme zur Lebensmittelproduktion sowie zur Erzeugung industrieller Rohstoffe genutzt.

Seit über zwanzig Jahren wird die Pflanzenbiotechnologie durch eine umfassende Sicherheitsforschung begleitet. Alle organisatorischen, technischen und personellen Voraussetzungen werden strengen Sicherheitsprüfungen unterzogen: Ein neuer Entwicklungsschritt wird immer erst dann freigegeben, wenn der vorherige vollständig evaluiert ist. Transparenz jedes Genehmigungsverfahrens und breite Information der Bürger sind selbstverständlich. Dieses Prinzip der Sicherheit von Anfang an hat bis heute alle Bedenken und Behauptungen der Pflanzenbiotechnologiegegner widerlegt. Wissenschaftlern sind vielmehr zahlreiche Entwicklungen bis hin zur Marktreife gelungen, die jetzt zur Umsetzung in die wirtschaftliche Anwendung anstehen. Penibel wird vor jeder kommerziellen Anwendung geprüft, ob es durch die gentechnische Veränderung zu negativen Auswirkungen kommen kann. Spezifisch für jeden Einzelfall werden Allergierisiken, die eventuelle Entwicklung von Resistenzen sowie direkte und indirekte, erkennbare oder denkbare Auswirkungen auf die ökologischen Kreisläufe analysiert und ausgeschlossen. Gleiches gilt für die Fragen möglicher Auskreuzung oder Rückstände im Boden.

Im Interesse aller auf einem der wichtigsten Innovationsfelder weltweit brauchen wir Rahmenbedingungen, die Forschung und Anwendung der Pflanzenbiotechnologie in Deutschland möglich machen. Es gibt keinen Grund, eine Technik zu verbieten, wenn es keinerlei Hinweise darauf gibt, dass ihre Risiken nicht beherrschbar sind. Wir möchten mit unserer Politik den Rahmen dafür schaffen, dass Wissenschaft und Industrie die Chancen und Potenziale der Pflanzenbiotechnologie ausloten und weiterentwickeln können und gleichzeitig die Ängste und Besorgnisse der Bevölkerung ernst genommen werden.

Wir achten darauf, dass die Sicherheit für die menschliche Gesundheit und für die Umwelt oberste Priorität hat. Politik, Wissenschaft und Unternehmen sind in der Pflicht, ausgewogen über die Pflanzenbiotechnologie zu informieren. Die Zukunft hat längst begonnen. Mit Forschungsverboten werden wir sie nicht gewinnen.