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Bio- & Gentechnologie 

- Presseberichte: Bio- & Gentechnologie -

Klon-Experiment löst moralische Bedenken aus

Märkische Allgemeine Zeitung vom 19.01.2008

Klon-Experiment löst moralische Bedenken aus

Merkel entschieden gegen Heilversuche mit Stammzellen
POTSDAM - In Deutschland ist therapeutisches Klonen verboten. Politiker versichern, dass das auch so bleibt.


Der angeblich erfolgreiche Versuch in den USA, einen geklonten menschlichen Embryo herzustellen, stößt in Deutschland bei Wissenschaftlern auf Skepsis, bei Politikern weitgehend auf Ablehnung. Forscher äußerten Zweifel daran, ob sich aus dem Experiment tatsächlich therapeutischer Nutzen ziehen lässt. Anders als etwa in England ist das sogenannte therapeutische Klonen in Deutschland verboten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ gestern durch ihren Regierungssprecher Thomas Steg verkünden, sie lehne das therapeutische Klonen „entschieden“ ab. So sehe das auch eine große Mehrheit im Bundestag. Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) ließ ausrichten, dass „therapeutisches Klonen in Deutschland nicht erlaubt ist und dies auch so bleibt“.

Ein Team um den US-Wissenschaftler Andrew French hatte am Donnerstag Forschungsergebnisse veröffentlicht, denenzufolge es erstmals gelungen ist, aus Körperzellen eines Erwachsenen einen Embryo zu klonen (MAZ berichtete). Dafür war der Kern einer Hautzelle in eine weibliche Eizelle ohne Zellkern eingesetzt worden. Es gelang dabei, dass sich die Erbinformation einer menschlichen Körperzelle mit einer Eizelle verband und eine Blastozyste, ein Embryo im frühen Entwicklungsstadium, entstand. Das für Heilverfahren Spektakuläre daran gelang den Forschern allerdings noch nicht: Pluripotente Stammzellen, aus denen sich – zumindest theoretisch – je nach Programmierung der Erbinformation spezielle Gewebezellen herstellen lassen, konnten nicht gewonnen werden. French kündigte jedoch an, bis in zirka zwölf Monaten so weit zu sein.

Problematisch an dem Verfahren ist zweierlei: Erstens rückt damit die technische Möglichkeit in greifbare Nähe, dass aus solchen Embryonen tatsächlich geklonte Menschen entstehen. Zum anderen ist aber auch das therapeutische Klonen – also der Versuch, schwer kranke Menschen dadurch zu heilen, dass ihnen etwa geklonte Organe eingesetzt werden – moralisch umstritten. So kritisiert der SPD-Bundestagsabgeordnete Rene Röspel, dass Frauen, auf deren Eizellenspende das Verfahren angewiesen ist, als „Ersatzteillager missbraucht“ würden. Ähnlich äußerte sich gestern auch die Brandenburger CDU-Bundestagsabgeordnete Katherina Reiche. Aufgrund der vielen Fehlversuche würden große Mengen von Eizellen gebraucht. Das sei ethisch nicht vertretbar. Reiche, die im Bundestag eher für eine Liberalisierung des strengen deutschen Stammzellengesetz eintritt, lehnt das therapeutische Klonen deshalb ab.

Ob das Klon-Experiment überhaupt die erhofften therapeutischen Erfolge haben könnte, ist allerdings noch völlig offen. Der deutsche Stammzellenforscher Oliver Brüstle von der Universität Bonn verweist darauf, dass bereits 2005 ähnliche Daten veröffentlicht wurden. „Damals wie jetzt ist es letztendlich nicht gelungen, auf diesem Weg Stammzellenlinien für die Medizin zu etablieren“, so Brüstle. Der CDU-Bioethikexperte Peter Liese warnte, nach dem US-Experiment sei es leichter geworden, einen geklonten Embryo in eine Gebärmutter einzusetzen – also Menschen zu klonen. (Von Mathias Richter)