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Bio- & Gentechnologie 

- Presseberichte: Bio- & Gentechnologie -

Seehofer ist der SPD zu weit entgegengekommen

Interview mit der Märkische Oderzeitung 25.07.2007

Märkische Oderzeitung: Wer Genmais sät, erntet Gewalt. Wie beurteilen
Sie die Proteste der Gentechnik-Gegner in Ostbrandenburg?

Katherina Reiche: Es ist bedauerlich, dass die Demonstranten wiederholt mit Gewalt gegen eine entscheidende Zukunftstechnologie vorgegangen sind und dabei Eigentum der Landwirte
zerstört haben. Die Politik hat die Pflicht, sich hinter Bauern zu stellen, die neue
Technologien anwenden.


Was muss politisch für mehr Rechtssicherheit für die Bauern getan werden?

Wir brauchen schnell die Novelle des Gentechnik-Gesetzes. Der vorgelegte
Entwurf weist jedoch erhebliche Mängel auf. Horst Seehofer ist der SPD zu weit entgegengekommen. Ich halte die Abstände bis zu 300 Metern zu
ökologischen und  bis zu 150 Metern zu konventionellen Flächen wissenschaftlich
für völlig unbegründet. Auch die Haftungsfragen sind ungeklärt. Dieses
Gesetz fesselt mehr statt es die Technologie unterstützt.


Wie groß sollte denn der Abstand zu Genpflanzenflächen sein?

Ein Abstand von 50 Metern reicht nach wissenschaftlichen Erkenntnissen aus.


Seehofer hat zunächst den Genmaisanbau befürwortet und dann im Mai wegen
Umweltrisiken eingeschränkt. Was sollte angesichts der dadurch
entstandenen Verwirrung mit den inzwischen bereits bestellten Feldern
geschehen?

Die Entscheidung ist nicht nachvollziehbar und wird überwiegend mit älteren
wissenschaftlichen Veröffentlichungen  begründet. Ende
2006 hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit jedoch keine
Anhaltspunkte für eine Revision der Anbauzulassung von MON 810 gefunden.
Wir haben zudem in Deutschland seit 15 Jahren die beste und
systematischste Sicherheitsforschung. Das Bundesamt für
Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat mittlerweile
mitgeteilt, dass sich das Vertriebsverbot nicht auf an Landwirte
abgegebenes oder ausgesätes Saatgut bezieht.

Brandenburg ist Spitzenreiter beim Anbau von Genmais. Welche besondere
politische Verantwortung ergibt sich daraus?

Allen Landwirten müssen dieselben Chancen eingeräumt werden, denen, die auf Biotechnologie setzen ebenso wie jenen, die konventionell
oder ökologisch anbauen. Daran muss sich auch Agrarminister Dietmar
Woidke (SPD) messen lassen. Wir müssen mehr über die enormen Vorteile des grünen Biotechnologie sprechen: weniger Dünger, weniger Pflanzenschutzmittel, höhere Erträge. Die Klimaforscher sagen für den Norden Brandenburgs mehr Dürreperioden voraus. Wir brauchen Pflanzen, die auch unter solchen Bedingungen hohe Erträge als Futtermittel aber auch als Energielieferant sichern. Das geht nur mit der Biotechnologie. Es geht um zukunftssichere Arbeitsplätze in Brandenburg.