Familie
- Presseberichte: Familie -
Politikerin fordert Pflichtuntersuchungen für Kinder
Rheinische Post, 03.11.2006
Bessere Vorsorge
Politikerin fordert Pflichtuntersuchungen für Kinder
VON EVA QUADBECK
Wenn Eltern sich nicht um ihre Kinder kümmern, soll der Staat eingreifen.
Berlin (RP). In der Debatte um Vorsorgeuntersuchungen für Kinder hat sich die stellvertretende Unionsfrakt-ionschefin Katherina Reiche (CDU) für eine Pflicht ausgesprochen. „Diese Untersuchungen sollten auf jeden Fall verpflichtend werden“, sagte sie unserer Zeitung. Kevin aus Bremen und Jessica aus Lüneburg stünden als Synonyme für schwerste Kindermisshandlungen und für furchtbare Verletzungen an Kinderseelen.
Zuvor hatte Hessens Sozialministerin Silke Lautenschläger (CDU) Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) wegen deren ablehnender Haltung kritisiert. „Gebetsmühlenartig haben wir den Bund aufgefordert, kindliche Frühuntersuchungen verpflichtend zu machen“, sagte Lautenschläger der „Welt“. Die Familienministerin wehrte sich: „Der Bund unterstützt das innovative Gesamtkonzept, das verbindliche Vorsorgeuntersuchungen in ein Frühwarnsystem einbettet. Wenn Frau Lautenschläger darüber hinaus eine Zwangsuntersuchung für alle Kinder will, kann sie diese in Hessen sofort über den öffentlichen Gesundheitsdienst einführen.“ Neben Hessen tendieren auch Nordrhein-Westfalen und Bayern für verpflichtende Vorsorgeuntersuchungen. Hessens Sozialministerin Lautenschläger kündigte eine entsprechende Bundesratsinitiative für Ende November an. Der Unterschied zwischen einer verbindlichen und einer verpflichtenden Vorsorgeuntersuchung ist, dass die Verbindlichkeit nicht mit Sanktionen belegt wäre.
Auch im Bundestag gibt es mittlerweile eine breite Unterstützung für eine Pflicht zur Vorsorge. „Wenn wir feststellen müssen, dass es offensichtlich einen wachsenden Teil von Eltern gibt, die ihrer Verantwortung nicht gerecht werden können, muss auch der Staat nachdenken, was getan werden kann, um Kinder zu schützen“, betonte Reiche. Die Vorsorgeuntersuchungen seien ein sehr guter Ansatz, die Entwicklung von Kindern vom Zeitpunkt der Geburt an zu begleiten. Durch verpflichtende Vorsorgeuntersuchungen entstünde eine stärkere Bindung der verantwortlichen Ämter und eine stärkere Vernetzung von Hebammen und Kinderärzten mit den Eltern. Reiche, selbst Mutter dreier Kinder, sagte: „Es ist doch furchtbar zu sehen, dass die Gesellschaft immer erst dann aufmerksam wird, wenn die Verbrechen geschehen sind. Hier müssen wir früher ansetzen.“